Es ist kurz vor zwanzig Uhr und ich erstehe mein Ticket für "Lost Holiday", ein "detektivischer Dokumentarfilm" über 22 Rollen mit Negativen, die lächelnde Chinesen zeigen. Gefunden hat sie ein Tscheche namens Lada (nein, er hat keinen Motor) in Schweden in einem Mülleimer.
Die Filmcrew um die bezaubernde Lucie Králová, ihres Zeichens Regisseurin, macht sich auf die Suche nach den unbekannten Asiaten.
Als ich den Kinosaal (wenn man ihn so nennen will, die Cinematheque Leipzig in der NaTo ist ein Programmkino) betrete und mich setze, fühle ich mich nicht gut. Am liebsten wäre ich gegangen, zumal der Film im O-Ton Tschechisch mit englischen Untertiteln gezeigt wird. Doch glücklicherweise ist es mir um die eben bezahlten fünf Euro zu schade, und ich bleibe. Einige Minuten später wird der Fim angekündigt, und Regisseurin Králová tritt vor die Szene. Sie ist sehr angenehm, spricht ein gut zu verstehendes Englisch, und ich würde es schade finden, wenn von ihr nichts mehr zu hören wäre.
Die "Search Unit" verfolgt die Reise der Asiaten durch ganz Europa. Es ist erstaunlich, wie sie nahezu jeden Ort finden, an dem die Chinesen waren. Auf ihrem Roadtrip, wenn man so will, treffen sie viele interessante Menschen, so fragen sie zum Beispiel einen in der Tschechischen Republik lebenden Chinesen, welcher Nationalität die Reisegruppe seiner Meinung nach sei; "Ich denke, dass sind Chinesen... Nein, ich bin mir nicht sicher. Es könnten auch Japaner oder Koreaner sein." Doch dann ist er sich sicher:"Es sind Asiaten." Einige junge Japanerinnen schließen aus, dass die Gruppe japanisch sein könnte: "Diese Kleidung! Das sind Chinesen oder Nordkoreaner! Das sieht so alt aus." Mit Hilfe der deutschen Presse und eines deutschen Paares, welches anhand eines auf einem der Bilder zu sehenden Nummernschildes gefunden werden kann, kommen sie nur stückweise voran. Inzwischen werden Experten befragt, Karten gelegt, und mit Hilfe eines Computerprogramms (!) die Aura des Bildes ermittelt. Der Film resümiert:"Wir kommen nicht weiter. Und wir stellen uns eine neue Frage; 'Hat ein Foto eine Aura?' "
Endlich kann das chinesische Fernsehen für die Sache gewonnen werden, und die populäre Übershow (Ich vermute mal so im Stile der RTL Nachrichten) " 360° " strahlt einen Bericht über die Suche aus. Natürlich werden die gesuchten Chinesen gefunden, dieses tolle Staatsfernsehen erreicht immerhin 300 000 000 (dreihundert Millionen) Chinesen. Merkwürdig nur, dass einer aus der Reisegruppe der Propagandaminister der Kommunistischen Partei Chinas ist (das ganze war nebenbei bemerkt ein "Business Trip"), den sollte doch jemand kennen... Interessante Frage, ob sich wohl ein Mongole aufgemacht hätte, um Goebbels seine Negative zu bringen. Die Chinesen jedenfalls versuchen noch ein wenig Propagandamaterial aufzunehmen, der Zuschauer wird darüber informiert, dass Mao Zedong die Tschechen liebte und dann sollen die Filmemacher doch bitte auch wieder gehen. Wenigstens wurden sie die ganze Zeit "our czech friends" genannt.
Der Film und die Regisseurin; beides eine Perle.
Wenn jemand die Möglichkeit hat, ihn zu sehen; unbedingt machen. Es lohnt sich!
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2 Kommentare:
was hat denn bitte die Mongolei und Goebbels mit dem chinesischem Propagandaminister und Tschechien zu tun...? Den Zusammenhang raff ich nicht. Die Tschechen (ehemals kommunistisch) machen sich auf, Chinesen (zur Zeit sowas wie Kommunisten) ihre Fotos wieder zu bringen.Okay. Mongolei (keine Ahnung was) bringt Goebbels (NS) Fotos. HÄ??? Das hat doch mal überhaupt keinen Zusammenhang. Das ist doch genauso sinnlos wie "Nachts ist es kälter als draussen"
Ist ja auch nur ein Vergleich der Strecke (sogar ein ziemlich guter), sowie dem Faktum, dass man einen solchen Minister eines Regimes kennen sollte.
Falls dies aus meinem Beitrag nicht erkenntlich geworden ist, bitte ich um Entschuldigung.
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